Auf dieser Seite sollen nach und nach Informationen zu den jüdischen Friedhöfen in Lippe gegeben und gesammelt werden.

 

Unsere Gesellschaft hat sich für die nächsten Jahre zum Ziel gesetzt, mit ihren Mitteln dazu beizutragen, dass noch fehlende Dokumentationen der alten Grabsteine als Zeichen der fast ausgelöschten, vielfältigen jüdischen Kultur im ländlichen Lippe erstellt werden.

  • Der Jüdische Friedhof in Detmold an der Spitzenkamptwete

    Beginnen konnten wir in 2017 mit den alten Grabsteinen auf dem Detmolder Jüdischen Friedhof an der Spitzenkamptwete. Diese Grabsteine wurden 1948, wie unser ehemaliges jüdisches Vorstandsmitglied Georg Edel berichtet, auch mit seiner Mithilfe und in Anwesenheit eines Rabbiners vom alten Ort an der Richthofenstraße (vormals Lemgoer Tor) auf den neuen Friedhof umgesetzt.

    Die vorranging von dem Detmolder Künstler und Fotografen Ulrich Heinemann sorgfältig aufgenommenen Grabsteine wurden von Mitarbeiterinnen des Salomon-Steinheim-Instituts dokumentiert, die Inschriften übersetzt und die Zusammenhänge kommentiert. Sie können diese Dokumentation unter der Adresse

    www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat/?id=dtm

    ansehen. Ausgewählte Fotos zeigte Herr Heinemann in einer Ausstellung vom 11. 1. 2018 - 16. 2. 2018 im Detmolder Rathaus unter dem Titel:
    „DER ALTE JÜDISCHE FRIEDHOF IN DETMOLD. GRABSTEINE, DIE GESCHICHTEN ERZÄHLEN“
    Eröffnet wurde die Ausstellung mit einem Vortrag von Dr. Andreas Ruppert: "Anmerkungen zum jüdischen Friedhof in Detmold"

  • Der Jüdische Friedhof in Barntrup/Lippe

    Eine auf Fotos aus 1990 basierende Dokumentation des Jüdischen Friedhofes in Barntrup mit Übersetzungen der damals schon stark verwitterten hebräischen Inschriften wurde von Herrn Adalbert Böning (†) verfasst und von Herrn Martin Böttcher um die Geschichte des Friedhofes erweitert. Die Tochter von Herrn Böning, Frau Christine Liedtke und Herr Böttcher haben das Manuskript 2017 der Gesellschaft übergeben und zugestimmt, dass es formal für die Internet-Veröffentlichung umgestaltet wurde:

    Der Jüdische Friedhof in Barntrup/Lippe

    (Vielleicht fallen dem geübten Leser hebräischer Texte Fehler bei den dargestellten hebräischen Grabinschriften auf. Diese sind dann bestimmt auf dem Weg der Aufbereitung des Originalmanuskriptes von Herrn Böning zu dieser Online-Darstellung entstanden. Wir bitten um Nachsicht und Korrekturhinweise per eMail an die Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. R. Schleysing)

  • Der Jüdische Friedhof in Lage
  • Der Jüdische Friedhof in Horn

 

Allgemeine Informationen zu weiteren jüdischen Friedhöfen bei Wikipedia:

Alverdissen | Bad Salzuflen | Barntrup | Bega | Belle | Blomberg | Bösingfeld | Cappel | Elbrinxen | Hohenhausen | Lemgo (alt) | Lemgo (neu) | Lüdenhausen | Lügde | Oerlinghausen | Reelkirchen | Rischenau | Schlangen | Schötmar | Schwalenberg | Silixen | Varenholz

 

 

Eine Dokumentation

 

vorgelegt von

 

Adalbert Böning (†) und Martin Böttcher

 

Titelbild

mit Fotos von Günter Wiegmann

 

Barntrup 2018

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e. V.

 

Einführung (Adalbert Böning)

Einführung (Adalbert Böning)

Auf dem jüdischen Friedhof zu Barntrup sind, wie auf anderen Friedhöfen auch, die Gräber nach Jerusalem, nach Osten, ausgerichtet, d.h. die Vorderseite der Grabsteine weist nach Osten. Der Tote soll mit dem Gesicht in Richtung Jerusalem bis zur Auferstehung ruhen. Die Auferstehung wird in Jerusalem stattfinden, und nach jüdischer Überlieferung werden dann die Leiber der Toten unter der Erde in Gängen, die Gott ihnen machen wird, nach Jerusalem gebracht. Dieser Vorgang heißt hebräisch "Gilgul". Bis zu dieser Zeit aber ruhen die Leiber auch symbolisch in heiliger Erde, denn nach Möglichkeit gibt man den Toten ein Säckchen mit Erde aus dem Heiligen Land mit in den einfachen, für alle gleichartigen Sarg. Im Tode gibt es keine Unterschiede. Darum sind in der Regel auch die Grabsteine gleichartig und einfach. Abweichungen von dieser Sitte hat es seit dem 19. Jahrhundert in Anpassung an die Umwelt allerdings gegeben.

Der jüdische Friedhof heißt "Haus der Gräber", "Haus des Lebens", führt der Aufenthalt dort doch schließlich zu neuem Leben, auch "Ewiges Haus" (nach Prediger 12,5: "Denn bald geht der Mensch in sein ewiges Haus."). Bei Juden Mittel- und Osteuropas wird er auch "Guter Ort" genannt, was einerseits Hinweis auf den Durchgang zum Leben der künftigen Welt, andererseits sicher auch ein Euphemismus ist.

In der Bibel wird als erster Grabstein der Rahels, einer Frau Jakobs, genannt (1. Mose 35,20).

Bis zur Emanzipation und damit beginnender Assimilation der Juden im 19. Jahrhundert sind die Inschriften auf jüdischen Grabsteinen ausschließlich hebräisch. Im Zuge der wachsenden Anpassung an die christliche Umwelt werden zunächst kurze Angaben auch in deutscher Sprache zum Namen, Geburts- und Todesdatum gemacht. Allmählich wächst der Anteil der Landessprache in den Inschriften, bis im 20. Jahrhundert manchmal kaum oder nichts Hebräisches übrigbleibt. Häufig steht allerdings noch die hebräische Abkürzung für den nach 1. Samuel 25,29 gebildeten Gebetswunsch aus einem der in Erinnerung an die Verstorbenen gesprochenen Gebete: "Seine/Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens". Da dieser Wunsch sich auf das Fortleben der Verstorbenen bezieht, wird er in unseren Übersetzungen stets ausgeschrieben, um damit deutlich zu machen, daß auch in den Fällen, wo nächste Angehörige und Verwandte der Verstorbenen nicht mehr vorhanden sind, weil die Familie durch die nationalsozialistische Mordmaschinerie ausgerottet worden ist, das gedenkende Gebet mit dieser Veröffentlichung fortbestehen soll.

Erst am Ende des Jahres nach dem Tode wird der Grabstein gesetzt. Jeweils am Todestag wird von den nächsten männlichen Angehörigen ein Gebet gesprochen, das die Verherrlichung des Gottesnamens zum Inhalt hat. Dieser Tag wird nach einem aus dem Jiddischen stammenden Begriff "Jahrzeit" genannt. Für die Festsetzung dieses Tages wie aller religiösen Termine gilt der jüdische Mondkalender, dessen Jahr 354 Tage bei 12 Monaten mit abwechselnd 29 und 30 Tagen enthält. Weil die jüdischen Feste aber an bestimmte Jahreszeiten gebunden sind, wird zur Angleichung an das Sonnenjahr in 19 Jahren siebenmal ein 13. Monat angehängt, der nach dem Namen des 12. Monats "zweiter Adar" genannt wird. Der Beginn der jüdischen Zeitrechnung entspricht dem Jahr 3760 vor unserer Zeitrechnung. Er wurde im Altertum von jüdischen Gelehrten nach Zahlenangaben der Bibel errechnet. Der Jahresbeginn liegt im September/Oktober. Es ist der erste und zweite Tag des Monats Tischri. Jüdisches und christliches Jahr überschneiden sich also. Das macht, abgesehen von anderen Feinheiten des jüdischen Kalenders, die Umrechnung schwierig. Auf den hebräischen Inschriften ist das Jahr "nach der abgekürzten Zählung" (Abkürzung in der Übersetzung: "n.d.a.Z.") angegeben, bei der die Tausender weggelassen sind. Das jetzige jüdische Jahr (September 1990 bis September 1991) ist das Jahr 5751 nach Erschaffung der Welt, nach der abgekürzten Zählung das Jahr 751.

Wie man dem Text der Inschriften leicht entnehmen kann, gibt es eine Reihe feststehender Wendungen. Frömmigkeit und Wohltätigkeit der Verstorbenen werden gepriesen, bei Männern häufig mit Begriffen, die der Charakterisierung Ijobs (1,1: "und jener Mann war rechtschaffen und redlich, gottesfürchtig und mied das Böse"; eigene Übersetzung des Verfassers) entnommen sind. Bei der Frau stammen die Begriffe häufig aus einem Text, den der religiöse Mann zu Beginn des Sabbats am Freitagabend verliest. In ihm wird die "tüchtige Frau" (vgl. Inschrift von Grab 15) gepriesen (vgl. Sprüche 31,10ff.).

Jüdische Kinder erhalten neben ihrem bürgerlichen Vornamen einen jüdischen, religiösen, der mit dem bürgerlichen in keinem Zusammenhang stehen muß (vgl. z.B. Inschrift Grab von 3: Mordechaj hat mit Max nur den Anfangsbuchstaben gemeinsam). In Verbindung mit dem Vatersnamen ("Sohn/Tocher des...") wird dieser Name in den hebräischen Inschriften, aber auch bei allen anderen religiösen Zusammenhängen verwendet. Daß diese Sitte eine alte Tradition hat, sehen wir daran, daß z.B. der Apostel Paulus mit jüdischem Namen Schaul (Saulus) hieß.

Die Bezeichnung eines Menschen als "Priester" (vgl. Inschrift von Grab 3) oder "Levit" (hier kein Beispiel) kennzeichnet diese Person als Angehörigen von Familien, deren Vorfahren zur Zeit des Tempels (bis 70 n.d.Z.) als Priester und Leviten im Tempel Dienst taten. Bis zum Mittelalter führten die jüdischen Gemeinden Listen mit den Namen dieser Familien. Diese Listen gingen bei den schweren Judenverfolgungen im Zusammenhang mit den Kreuzzügen verloren. Trotzdem ist von Generation zu Generation in den Familien das Wissen um die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen bewahrt worden. Diese Priester, also eine Art "Geburtsadel", haben bestimmte Funktionen; z.B. sprechen sie an hohen Festen den sog. aaronitischen Segen (4. Mose 6,24—26). Die Darstellung segnender Hände auf einem Grabstein zeigt an, daß dort ein Mann aus dem Priestergeschlecht begraben ist. Auch ist diese Herkunft bis heute an manchen Familiennamen zu erkennen. "Priester" heißt hebräisch "Kohen": So kann man davon ausgehen, daß alle, die einen von diesem Begriff abgeleiteten Familiennamen tragen (Kohn, Kahn, Kahane, Kohnstamm etc., aber auch "Katz", vgl. Inschrift von Grab 3), aus dem Priestergeschlecht stammen. Dazu gehören aber auch viele andere, aus deren bürgerlichem Namen diese Herkunft nicht mehr abzuleiten ist.

Im folgenden werden sämtliche Inschriften, soweit sie noch lesbar sind, aufgeführt. Links neben dem hebräischen Text steht jeweils die deutsche Übersetzung, darunter, soweit vorhanden, die deutsche Inschrift. Knappe Erläuterungen machen den religiösen Hintergrund der Inschriften deutlich.

 

Adalbert Böning

 


Einführung (Adalbert Böning)

Lageplan der Gräber

Lageplan der Gräber

 Die Grabnummern können direkt angeklickt werden!

Graeberlageplan [...]

 

Lageplan der Gräber

Grabinschriften und Übersetzungen

Grabinschriften und Übersetzungen

Grab 1: Johanne Sternfeld

Grab 1: Johanne Sternfeld

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Grab 1: Johanne Sternfeld

Grab 2: Unbekannt

Grab 2: Unbekannt

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Grab 2: Unbekannt

Grab 3: Max Katz u. Julie Katz

Grab 3: Max Katz u. Julie Katz

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Grab 3: Max Katz u. Julie Katz

Grab 4: Unbekannt

Grab 4: Unbekannt

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Grab 4: Unbekannt

Grab 5: Sophie Steinberg; geb. Blank

Grab 5: Sophie Steinberg; geb. Blank

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Grab 5: Sophie Steinberg; geb. Blank

Grab 6: Henriette Katz; geb. Grünewald u. Hugo Katz

Grab 6: Henriette Katz; geb. Grünewald u. Hugo Katz

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Grab 6: Henriette Katz; geb. Grünewald u. Hugo Katz

Grab 7: Heinemann Maybaum

Grab 7: Heinemann Maybaum

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Grab 7: Heinemann Maybaum

Grab 8: Moses Bonetang Frankenstein

Grab 8: Moses Bonetang Frankenstein

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Grab 8: Moses Bonetang Frankenstein

Grab 9: Unbekannt

Grab 9: Unbekannt

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Grab 9: Unbekannt

Grab 10: Helene Katz

Grab 10: Helene Katz

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Grab 10: Helene Katz

Grab 11: Simonette Maybaum; geb. Weinberg

Grab 11: Simonette Maybaum; geb. Weinberg

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Grab 11: Simonette Maybaum; geb. Weinberg

Grab 12: Unbekannt

Grab 12: Unbekannt

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Grab 12: Unbekannt

Grab 13: Simcha Frankenstein

Grab 13: Simcha Frankenstein

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Grab 13: Simcha Frankenstein

Grab 14: Unbekannt

Grab 14: Unbekannt

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Grab 14: Unbekannt

Grab 15: Jette Frankenstein; geb. Steinberg

Grab 15: Jette Frankenstein; geb. Steinberg

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Grab 15: Jette Frankenstein; geb. Steinberg

Grab 16: Unbekannt

Grab 16: Unbekannt

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Grab 16: Unbekannt

Grab 17: Julie Oppenheimer; geb. H….berg

Grab 17: Julie Oppenheimer; geb. H….berg

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Grab 17: Julie Oppenheimer; geb. H….berg

Grab 18: Auguste Silberschmidt; geb. ?

Grab 18: Auguste Silberschmidt; geb. ?

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Grab 18: Auguste Silberschmidt; geb. ?

Grab 19: Helene Oppenheimer

Grab 19: Helene Oppenheimer

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Grab 19: Helene Oppenheimer

Grab 20: Moses Steinberg

Grab 20: Moses Steinberg

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Grab 20: Moses Steinberg

Grabinschriften und Übersetzungen

Geschichte des Friedhofes (Martin Böttcher)

Geschichte des Friedhofes (Martin Böttcher)

Es gab in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts zwischen den landesherrlichen Besitzungen (Meierei), die als Gärten an Barntruper Bürger vergeben waren, und der späteren Hagenstraße einen schmalen von West nach Ost bis zur Alverdissener Straße spitz zulaufenden Geländestreifen, der als Hude benutzt wurde (öffentliche Weidefläche für Vieh). Diesen Landstreifen außerhalb der damaligen Stadt hatte sie der jüdischen Gemeinde als Begräbnisplatz zugewiesen und gestattet. Wann das geschah, ist nicht überliefert. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1824.

Darum gab es nun 1840/41 zwischen der jüdischen Gemeinde einerseits und dem Magistrat der Stadt und einem Barntruper Bürger andrerseits Unklarheiten und Zwistigkeiten. Diese Auseinandersetzung hat sich in städtischen und landesherrlichen Akten niedergeschlagen.1) Die jüdische Gemeinde verlangte das Recht, den „Totenhof” einfrieden zu dürfen, damit nicht mehr „Kühe und Schweine die Gräber Hingeschiedener verunreinigten und aufwühlten”. Die Stadt wollte nicht auf die Einnahmen aus der Vergabe des Weiderechtes verzichten. Außerdem bestand ein Barntruper Bürger auf seinem Wegerecht über den Begräbnisplatz. Nach langen Verhandlungen einigte man sich auf Druck der Detmolder Regierung auf folgende Punkte:

  1. Die jüdische Gemeinde erhält auf einem von West nach Ost spitz zulaufenden Geländestreifen entlang der späteren Hagenstraße das „ius sepeliendi” bestätigt, das Recht zu bestatten.
  1. Allerdings bleibt das Grundstück im Eigentum der Stadt. Doch muss die jüd. Gemeinde jährlich 18 Mariengroschen Entschädigung bezahlen.
  1. Die jüd. Gemeinde darf den Friedhof einzäunen, allerdings unbeschadet des Wegerechts eines Barntruper Bürgers über den Friedhof. — Dem Bericht an die Regierung ist eine Handskizze angefügt (Kartel 1). 2)

In dem Urkataster von 1880 (Karte 2) kann man die Lage und die Ausdehnung deutlich erkennen. Die eingezeichneten Parzellen 316 und 317 bilden einen schmalen Streifen von etwa 130m Länge von der damaligen Wolfs Brede im Westen bis zur Alverdisser Str. im Osten. An der breitesten Stelle im Westen ist der Streifen etwa 12m breit, er verjüngt sich zum Osten zu einer Spitze. Auf einem Katasterblatt des Jahres 1903 (Karte 3) ist zu erkennen, dass die östliche Spitze (Parzelle 317) im Besitz der Stadt geblieben ist, während der westliche größere Teil (Parz. 316) in den Besitz der jüd. Gemeinde übergegangen ist. 1939 übernimmt (? kauft) die Stadt Barntrup den Friedhof von der jüd. Gemeinde. Zunächst bleibt er unberührt, wie es ein im November 1945 gezeichneter Plan zeigt. (Karte 4) 2)

Die Reduzierung der Fläche auf den heutigen Umfang (Parz. 1283/ 316) ergab sich erst nach dem Kriegsende 1945 (Karte 5). Der östliche Teil (Parz. 317) war schon vor dem Kriege bebaut. Nun verkaufte die Stadt 1948 bzw. 1958 etwa drei Viertel der Fläche an Private, die ein Haus, bzw. Garagen darauf bauten. Bedenken gegenüber dem Verkauf oder der Überbauung sind nicht erkennbar. Allerdings muss gesagt werden, dass nach Aussagen von Zeitzeugen auf diesen östlichen Flächen keine Grabsteine standen. — Der Friedhof gehört heute dem Landesverband jüdischer Gemeinden Westfalens, Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Fürsorge und Pflege obliegt der Stadt Barntrup. — Der Friedhof ist seit 1991 in die Denkmalschutzliste eingetragen.

1) Stadtarchiv Barntrup A 1506 und Staatsarchiv Detmold L77A Nr. 5399. Dazu auch: Hans Hüls (1976) S. 180 und Friedrich Böttcher (2013) S. 237

2) Die Stadtpläne und Katasterblätter liegen im Bauamt der Stadt Barntrup

3) Literatur:

Hüls, Hans: Barntrup 1776 — 1976 , Siedlungsbild und sozialökonomische Struktur einer  lippischen Kleinstadt im Wandel zur Gegenwart
in: Erika und Martin Böttcher (Hrsg.): 600 Jahre Stadt Barntrup 1376 — 1976 (Detmold  1976), S. 156 — 218

Böttcher, Friedrich: Artikel über Barntrup in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe.
Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Münster 2013, S. 232—237 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 10)

Geschichte des Friedhofes (Martin Böttcher)

Lagepläne des Friedhofes

Lagepläne des Friedhofes

Karte 1: 1841

Karte 1: 1841

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Karte 1: 1841

Karte 2: 1880

Karte 2: 1880

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Karte 2: 1880

Karte 3: 1903

Karte 3: 1903

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Karte 3: 1903

Karte 4: 1945

Karte 4: 1945

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Karte 4: 1945

Karte 5: 1954

Karte 5: 1954

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Karte 5: 1954

Lagepläne des Friedhofes

Nachwort

Nachwort

Die Einleitung der Dokumentation mit der Umschrift und Übersetzung der Grabtexte und den Auswertungen wurden 1990 verfasst von Herrn Adalbert Böning (1934—2014), Gymnasiallehrer in Hagen. Die Bilder sind aufgenommen von Fotomeister Günter Wiegmann, Barntrup (ebenfalls 1990). Die Geschichte des Friedhofs wurde zusammengestellt von Martin Böttcher, Barntrup. Die Internetaufbereitung wurde von Dr. Rüdiger Schleysing, Detmold, vorgenommen.

Herrn Adalbert Böning können wir für seine bereitwillige und kundige Hilfe nicht mehr danken. Eine seinerzeit geplante, gedruckte Publikation kam damals nicht zustande. Umso mehr freuen wir uns, dass seine Tochter Frau Christine Liedtke, Bad Berleburg, ihr Einverständnis gegeben hat, die Dokumentation in dieser Form zu veröffentlichen.

 

 

Nachwort

Grabsteinvorderseite:

Grab 20 Vorderseite 150

 

 

Hier ist begraben
der liebenswerte junge Mann Mosch(e)
Sohn des ehrenwerten Herrn Jakob Steinberg
Zum Kummer seiner Familie starb er plötzlich
am 13. Marcheschwan 6171) n.d.a.Z. und
wurde begraben 2)

am 15. Tage desselben. Seine Seele sei
eingebunden in das Bündel des Lebens.

 

פ נ


העלם ה (נ) חמד מש(ה )
בן כה יעקב שטיינבערג
לתוגת משפחתו מת פתאם
י”ג מרחשון תריג לפ”ק ונקבר
: י”ה בו: ה נ צ ב ה

1) Dienstag, 11. Nov. 1856
2) Donnerstag, 13. Nov. 1856. Die Zahl 15 ist im Hebräischen entgegen aller
Gewohnheit mit den Buchstaben Jod/He bezeichnet, dem Anfang des Gottesnamens.

Grabsteinrückseite:

Grab 20 Rueckseite 150

Rückseite, deutsch:

HIER RUHT

MOSES STEINBERG

GEB. DEN 12TEN JUNI 1831

GEST. DEN 11TEN NOV. 1856

Grabsteinvorderseite:

Grab 19 Vorderseite 150

 

Hier ist verborgen


ein Mädchen, eine züchtige Jungfrau
und eine liebenswerte, Frau Helena,
Tochter des frommen Herrn Jaakow
Oppenheimer. Sie starb
in der Hälfte ihrer Jahre,1) am Tage
des 16. Aw des Jahres 6292)
n.d.a. Z.
Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

פ”נ


נערה בתולה צנועה
והמודה מרת העלענא
בת החבר רבי יעקב
אפפענהיימער מתה
בחצי ימיה ביום
ט”ז אב שנת ת”ר”כ”ט

לפק
תנצבה


 

1) Vgl. Psalm 90,10: ”Unsere Lebensjahre das sind siebzig Jahre, und wenn es hoch geht achtzig Jahre” (nach Zunz u.a.).

2) Samstag, 24. Juli 1869

Grabsteinrückseite:

Grab 19 Rueckseite 150

Rückseite, deutsch:

Hier ruht

die Jungfrau

Helene Oppenheimer

Geb. den 10. März 1830

Gest. den 14. Juli 1869

Grabsteinvorderseite:

Grab 18 Vorderseite 150

 

Hier ruht

unsere teure .. .......

Auguste

Silberschmidt

geb. ........

geb. zu Ludwigsburg

am 24. März 1824

gest. zu Barntrup

am 30. Nov. 1900

Friede ihrer Asche

 

Ausschließlich deutsche Inschrift, ein Zeichen fortgeschrittener Assimilation. Die Inschrift ist teilweise verwittert.

Grabsteinrückseite:

Grab 18 Rueckseite 150

 

Grabsteinvorderseite:

Grab 17 Vorderseite 150

 

Hier ruht

Julie

Oppenheimer,

geb. H....berg

geb. zu Hamburg

am 24. April 1852

gest. zu Barntrup

am 31., Juli 1903

Friede ihrer Asche

 

Ausschließlich deutsche Inschrift, ein Zeichen fortgeschrittener Assimilation. Die Inschrift ist teilweise verwittert.

Grabsteinrückseite:

Grab 17 Rueckseite 150

 

Grabsteinvorderseite:

Grab 16 Vorderseite 150

 

Sept. 1839
        1890

(Friede ihrer/seiner ?) Asche

 


 

Ausschließlich deutsche Inschrift, ein Zeichen fortgeschrittener Assimilation. Die Inschrift ist stark verwittert.

Grabsteinrückseite:

Grab 16 Rueckseite 150

 

Grabsteinvorderseite:

Grab 15 Vorderseite 150

 

Hier ist begraben


die teure und gerechte Frau
eine tüchtige Frau1)‚ die (Krone) des Hauses2)
got(tes)fürchtig, sich erbarmend der Armen3)
Frau Jette, Tochter des Herrn Natan
Sie wurde geboren4) am 18. Schewat 577 n.d.a.Z.5)
Sie starb in der Blüte ihrer Jahre am Tag
des 17. Siwan und wurde begraben mit großer Ehre
am 20. Tage des Siwan 6186) n.d.a.Z.


Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens 

פ'נ


האשה היקרה והצדקת
אשת חיל (עטרת) הבית
יראת אל(הים וח)וננת דלים
מרת יעטה בת ר' נתן
:נולד י'ח שבט תקע”ז לפק
מתה במבחר שנותיה ביום
י'ז סיון ונקברת בכבוד גדוּל
ביום כ' סיון תרי”ח לפק


ת'נ'צ'ב'ה

 

1) Sprüche 31,10 (vgl. Einleitung); Sprüche 12,4

2) vgl. Sprüche 12,4

3) nach Sprüche 28,8

4) im Hebräischen steht versehentlich die maskuline Form

5) Dienstag, 4. Februar 1817

6) Todesdatum: Sonntag, 30. Mai 1858 (vgl. deutsche Inschrift);
    Beerdigung: Mittwoch, 2. Juni 1858

Grabsteinrückseite:

Grab15 Rueckseite 150

Rückseite, deutsch:


DEM

ANDENKEN

DER FRÜH VOLLENDETEN

IETTE

FRANKENSTEIN

GEBORNE STEINBERG

GEB. AM 4. FEBRUAR 1817

GESTORB. AM (3)0. MAI 1858

SANFT UND RUHIG SEI DEIN SCHLUMMER

Grabsteinvorderseite:

Grab 14 Vorderseite 150

 Die Inschrift ist völlig verwittert!
   
 

Grabsteinrückseite:

Grab14 Rueckseite 150


Grabsteinvorderseite:

Grab 13 Vorderseite 150

 
Hier ist begraben
ein treuer Mann, gerecht
und redlich, gottesfürch(tig)
das (Böse) meidend1), übend
Gerechtigkeit2)...
Sim(cha) , (Sohn des) (Mo)sche
Er starb (im 4)2. ... seines Lebens
am (T)ag .....
..... 6143)
n.d.a.Z.
Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

פ”נ

איש אמונים צדיק
וישד, יר(א) אלהים
וסר מ(רע) עושה
.........צדקה
שמ(חה ) ... (בר) (מ)שה
מת ... (מ)ב לחיתו
....בי(ום)
תריד..............

לפק
הנצבה

1) vgl. Hiob 1‚1
2) auch im Sinne von Wahrhaftigkeit
3) 1854 (vgl. deutsche Inschrift); das jüdische Datum ist der 26. Adar 614.

Grabsteinrückseite:

Grab 13 Rueckseite 150

Rückseite, deutsch:

HIER RUHT

.......

FRANKENSTEIN

GEB. D. 12ten JUNI

1812 (?)

GEST. D. 26ten MAERZ

1854

Grabsteinvorderseite:

Grab 12 Vorderseite 150

 

Hier ist begraben
ein (rechtschaffener und redlicher)1) Mann
Er wandelte ...... gerecht
er fürchtete (Gott alle) (seine) Tage :
als Gerech(ter) lebte er (in seinem Glauben)
Es ist Ji(zchak) ? .......
Er starb am .......
am Tage ...... des 72. Jahres
seines Lebens (und wurde begraben) am
28. Tage desselben2) 6233) n.d.a.Z.


Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

פ'נ

איש (תם וישר )
הלך ...... צדיק
ירא (אלהים כל ) ימי(ו)
צדי(ק) (באמונתו) היה
......?ה'ה י(צחק)
.........מת ב(יום)
ביום ....... שנה ע”ב
לחיתו (ונקבר) ביום
כ”ח בו ת'ר'כי'ג לפק

ה נ צ ב ה

1) Die hebräische Inschrift ist fast völlig verwittert.

2) Gemeint ist der jüdische Monat, dessen Name verwittert ist.
3) 1862/63

Grabsteinrückseite:

Grab 12 Rueckseite 150

Rückseite, deutsch:

Die deutsche Inschrift ist bis zur Unleserlichkeit verwittert.

Grabsteinvorderseite:

Grab 11 Vorderseite 150

 
Hier ist begraben
der Leib einer redlichen Frau
Es ist Henele (?), Tochter des Schelomo
Sie verstarb1) am 5. Tag2), 3. Nissan
655 n.d.a.Z4. 3)
Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens.

 

פ נ

גוית אשה ישרה
הה הינילה (?) בת שלומה
מת ביום ה ג ניסן תרנה לפ”ק

תנצבה

1) Es steht die maskuline Form!

2) Donnerstag

3) Donnerstag, 28.3.1895 (vgl. die deutsche Inschrift)

Grabsteinrückseite:

Grab 11 Rueckseite 150

Rückseite, deutsch:

Abbildung: Schmetterling1)

Zum Gedenken
unserer unvergeßlichen Mutter
Simonette Maybaum
geb. Weinberg
geb. 22. Juli 1807,
gest. 28. März 1895.
Wer den Ewigen fürchtet, der
hat eine sichere Festung und
seine Kinder werden auch beschirmt.
Sprüche 14 V. 26.


1) Zeichen eines neuen Lebens.

   

Neues:

11. 9. 2018: Onlinestellung der Dokumentation des Jüdischen Friedhofes in Barntrup

17. 5. 2018: Onlinestellung des Buches von Karla Raveh: "Überleben" als e-Buch

4.12.2017: Veröffentlichung einer Bropschüre zum Haus Münsterberg

4.12.2017: Freischaltung der Internetseite, die die Online-Version des Gedenkbuches für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Detmold präsentiert.

 

Hier finden Sie uns:

Haus Muensterberg

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e. V.

Haus Münsterberg
Hornsche Str. 38

32756 Detmold

Tel.: +49 5231 29758

eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Homepage: www.GfCJZ-Lippe.de

 

 

   
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