Karla Raveh besichtigt das Uhlmann-Haus im Freilichtmuseum in Detmold.

(Foto: privat)

 

Karla Raveh, geborene Frenkel, wurde am 15. Mai 1927 als zweitälteste Tochter von Walter Frenkel und seiner Frau Herta, geborene Rosenberg, in Lemgo geboren.

Während des Novemberpogroms 1938 wurden ihr Vater und auch ihr Onkel verhaftet. Karla und ihre Geschwister Helga und Ludwig  (s. Gudrun Mitschke-Buchholz: Gedenkbuch für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Detmold. – Bielefeld 2001) mussten wie alle jüdischen Schüler die staatliche Schule verlassen und besuchten fortan die jüdische Schule in der Gartenstraße in Detmold. (S. hierzu: Gartenstraße 6. Zur Geschichte der eines Detmolder „Judenhauses“ und seiner Bewohner. In: Wolfgang Müller: Juden in Detmold. Gesammelte Beiträge zur jüdischen Geschichte und ihre Aufarbeitung in Archiv und Schule. Hg. v. Micheline Prüter-Müller. – Lage 2008, S. 17-51.)

Am 27. Juli 1942 wurde die Familie Frenkel in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sehr bald die Großmutter Laura Frenkel verstarb. Im Oktober 1944 wurden Karla und ihre gesamte Familie – 1941 wurde noch ihr Bruder Uriel geboren – nach Auschwitz verschleppt. Dort wurde ihre Familie ermordet. Karla und ihre Großmutter Helene Rosenberg, die in Theresienstadt geblieben war, überlebten als einzige Mitglieder der einst zehnköpfigen Familie.

Karla wurde von Auschwitz in das KZ Bergen-Belsen deportiert und musste in einer Munitionsfabrik in Salzwedel Zwangsarbeit unter schwersten Bedingungen leisten. 1945 wurde sie dort von amerikanischen Truppen befreit und gelangte in die Schweiz. 1949 ging sie zurück nach Lemgo und heiratete Szmuel Raveh, der ebenfalls einziger Überlebender einer einst großen Familie war. Mit ihm zusammen wanderte sie nach Israel aus. Sie haben zwei Söhne und fünf Enkelkinder, und inzwischen wird die Familie auch durch Urenkel bereichert. Leider verstarb ihr Mann sehr früh.

Seit mehr als 20 Jahren kommt Karla Raveh regelmäßig für einige Monate nach Lemgo, wo sie in ihrem ehemaligen Elternhaus in der Echternstraße 70 lebt, das inzwischen als Frenkel-Haus ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt ist. Den Leidensweg ihrer Familie hat Karla Raveh eindrücklich in dem Band „Überleben“ in der Schriftenreihe zur Stadtgeschichte des Forums Lemgo niedergeschrieben. (Überleben. Der Leidensweg der jüdischen Familie Frenkel aus Lemgo. Von Karla Raveh geb. Frenkel. Nebst Aufzeichnungen von Helene Rosenberg. – Lemgo 1986)

Seit 1988 ist sie Ehrenbürgerin der Stadt Lemgo und wurde im Jahre 2003 mit dem „Verdienstorden am langen Bande“ ausgezeichnet. Die Gesamtschule des Kreises Lippe trägt seit 1997 den Namen Karla-Raveh-Gesamtschule.

Karla bezeichnet es als ihre „Mission“, durch ihre Erinnerungen an die NS-Gewaltherrschaft unermüdlich zum mahnenden Gedächtnis beizutragen. So gibt sie zahlreiche Interviews, spricht vor Schülerinnen und Schülern vieler Schulen, gibt stets bereitwillig interessierten Laien und Historikern Auskunft und wird nicht müde, ihren in vielerlei Hinsicht wertvollen Beitrag als Zeitzeugin und Überlebende zu leisten. Ihre Hingabe an diese Lebensaufgabe beeindruckt seit vielen Jahren nicht nur die Lemgoer Bürger zutiefst.

 

Kurz nach ihrem 90. Geburtstag, zu dem es mit ihr eine offizielle Feier in "ihrer" Schule gab, verstarb Karla am 27. 5. 2017 in Lemgo.